Band III

Im Exil


Kapitel 1

In Florida

 

Das Agentennetz, mit dem die Genossen den Erfinder in Deutschland unter Kontrolle hieltenn, bekam immer mehr Löcher. Er lernte auch, die neu herangeschafften Agenten immer schneller zu erkennen. Der Verschleiß an Agenten wurde für uns langsam untragbar hoch. Obwohl seine Lizenzverhandlungen immer wieder zerschlagen wurden, fand er immer wieder neue Betriebe, die seine Erfindungen übernehmen wollten.

Die politische Situation änderte sich 1989 in Deutschland zu unseren Ungunsten - unser sozialistisches Bollwerk der antiimperialistische Schutzwall brach zusammen. Deshalb unterstützten die führenden Genossen nun seinen schon früher geäußerten Wunsch nach Amerika zu gehen. Wenn es gelang ihn in ein bestimmtes Haus zu bekommen, würden wir ihn wieder völlig in den Griff bekommen. Dieses Haus hatte ein perfektes Überwachungssystem. Dort sass zwar noch ein amerikanischer Erfinder drin, man würde ihn aber zum Ausziehen überreden können. Wir waren also auf seinen Umzug nach Amerika besser vorbereitet als der Erfinder selber zumal wir eine eigene Maklerfirma hatten, die ihn genau in das von uns vorbereitete Haus geleiten würde. Praktisch wussten wir ja auch schon eher als der Erfinder selber, dass er nach Amerika gehen wird, denn wir hatten ihm das Leben in Deutschland zur Hölle gemacht.

Wir hatten in den Sechzigern in einigen ausgesuchten Orten der USA dichte Agentennetze aufgebaut, die nach dem Münchener Vorbild eine vertikale Struktur hatten, also in sämtliche Behörden hineinreichten, damit das ausgesuchte Opfer keinen Beistand finden konnte. Einer dieser Orte ist Bradenton in Florida.

(Hohe Offiziere des SSD und des KGB lieben Bradenton deshalb, weil sie dort ihre Söhne in eine berühmte Tennisschule schicken können, und so eine perfekte Tarnung für ihren Aufenthalt haben.)

Wir bekamen den Befehl, unseren "Einstein" in das für ihn vorbereitete Haus in Bradenton zu bringen. Die Verhaftung eines Führungsoffiziers auf dem Flughafen in Atlanta änderte daran nur wenig. Die Genossen waren fähig zu improvisieren. So verkauften sie ihm eines ihrer eigenen Häuser, wo z.Z. noch ein gerade angeworbener Anwalt überwacht wurde. Es war ein Haus in Village Green, einem Wohnbezirk in Bradenton und war schon lange mit den entsprechenden Abhöranlagen ausgerüstet worden; ein entsprechender Postbote war angeworben worden, nicht zu vergessen die Nachbarn, die als Beobachtungsposten ständig auf der Wacht waren. Das ganze Überwachungssystem war in langjährigen Bemühungen aufgebaut worden und für einen Anwalt, der gerade angeworben worden war, in Betrieb gewesen. Wir kontrollierten sämtliche Kommunikationswege zu und von diesem Haus und hatten einen ständigen Observierungsposten davor. Es war das geeignete Wohnobjekt für den Erfinder.

 

Die Umstände in Deutschland zwangen mich, ins Exil zu gehen. Ich stand auf der Schwarzen Liste, bekam nirgends eine Arbeit und meine Erfindungen konnte ich nicht verkaufen, egal ob sie etwas taugten oder nicht. Ob Ost- West- oder vereinigtes Deutschland spielte in meinem Fall keine Rolle. Der SSD stand mir nicht nur überall im Wege - er hatte mich im Würgegriff. Niemand tat etwas dagegen. Für mich war es dasselbe wie in der "DDR", nur dass ich zu allem Unglück auch noch meine Familie verloren hatte. Meine Familie bekam ich nicht zurück. Meine Frau war tatsächlich - wie mir Hauptmann Wagner angedroht hatte - mit dem Mann verheiratet, den er ausgesucht hatte. Konnte es noch Schlimmeres geben?


Dr. Wolfgang Vogel, der Anwalt der politischen Gefangenen in der ehemaligen "DDR" und Angestellte des SSD, der mich erst verkaufte, dann verriet und zuletzt enteignete.


Mein Recht an dem Haus in Schulzendorf, das mir der SSD zusammen mit dem Recht auf meine Familie entzogen hatte, wurde mir bis heute nicht zurückgegeben. Die Staatsanwältin Helinski der Staatsanwaltschaft Potsdam, Zweigstelle Luckenwalde (Aktenzeichen: 35/9 Js 314/92) bezieht sich dabei auf eine Erklärung, die der Anwalt Dr. Vogel abgegeben haben soll. Ich habe diese "Erklärung" nie gesehen, aber er enteignet mich dabei offenbar ohne irgendwelchen Ausgleich für mich. Dieses habe er "als mein Bevollmächtigter" getan, heißt es.

Dieses Urteil kommt nicht aus dem Osten, der sogenannten "DDR", nein es wurde am 17.3.1993 in Potsdam verfasst, also nach dem Untergang der "DDR", wo es jetzt wieder Bürgerrechte geben sollte. Der alte kommunistische Terror wurde damit nach dem Fall der Mauer nur zementiert. Anstatt alte kommunistische Terrorurteile aufzuheben wurden sie jetzt sogar legalisiert.

Die Frage, auswandern oder nicht, wurde letztlich aber von den Medien entschieden. Ich machte ein langes Video über die Machenschaften des SSD in meinem Fall und schickte es ans Fernsehen. Wenn sie es zeigen würden, hätte ich noch eine Chance hier zu bleiben.

Meinem Video erging es genauso wie meinen Erfindungen; zuerst wollte man es sofort im Spiegel-TV senden, dann plötzlich nicht mehr. Alle anderen Fernsehstationen lehnten es danach von vornherein ab. Jemand hatte sie offensichtlich schon vorher informiert und ihnen die Entscheidung abgenommen.

Wenn ich meine Geschichte nicht einmal veröffentlichen konnte, hatte ich hier in Deutschland keine Chance mehr. Unter diesen Bedingungen hätte ich wirklich in der Ostzone bleiben können, dann hätte ich wenigstens noch meine Familie behalten. Es hatte sich für mich nichts geändert. Ich war immer noch - oder schon wieder - ein politisch Verfolgter und immer noch auf der Flucht.

Ich mußte in ein Land gehen, wo die Betriebe von mir und vom SSD noch nichts gehört hatten und nicht negativ vorgespannt waren. Ich wollte nach Amerika gehen, leider hatte ich das lange vorher herum erzählt, sodass die Genossen des SSD darauf vorbereitet waren und meine Bemühungen sogar "unterstützten":

Sie wussten welche Zeitung ich las. So fand ich in einer Annonce genau das, was ich suchte. Eine Maklerfirma aus Hamm bot billige Häuser in Florida zum Kauf an. Ich rief die Maklerfirma an, zögerte dann aber doch, einen Termin zu machen, denn die politische Landschaft in Europa änderte sich gerade. Es war 1989. Vielleicht würden die Kommunisten doch wie ein Gespenst einfach wieder verschwinden. So waren sie ja schließlich auch erschienen. "Ein Gespenst geht in Europa um, das Gespenst des Kommunismus", waren ihre Worte gewesen, mit denen sie sich selber vorgestellt hatten. Warum sollten sie nicht genauso gespenstisch über Nacht wieder verschwinden? Ich zögerte auszuwandern.

Herr Rudolf A. Drüner und Frau Bärbel Rupprecht dieser Maklerfirma aus Hamm riefen mich aber wieder und wieder an; ich solle endlich mit ihnen nach Florida fliegen um ein Haus zu kaufen.

Zu dieser Zeit sah der SSD seine Felle in Deutschland wegschwimmen, deshalb machten sie Druck, dass ich nach Amerika ging. Nach etwa einem Jahr folgte ich ihrer Einladung. (Es war der denkbar ungünstigste Zeitpunkt auszuwandern.)

Am 28.2.1990 wurde ich mit anderen aus Deutschland vom Flughafen in Sarasota von Herrn Drüner abgeholt, und zwar direkt am Flugzeug. Wir hatten keine Gelegenheit, uns umzuschauen,

sonst hätten wir ein paar Meter weiter die vielen Prospekte zum Mitnehmen gesehen. Dort gab es ein Überangebot an Häusern und viele Maklerfirmen - sogar ehrliche, die einem hinterhergelaufen wären, wenn man aus Deutschland kam, um hier ein Haus zu kaufen. Dies wusste von uns aber keiner. Wir waren eine seltsame Reisegruppe, denn kein einziger von uns sprach englisch. Es waren offenbar alles per Hand ausgesuchte Leute gewesen, die mir hier in diesem fremden Lande auch nicht helfen konnten. So war ich ganz in den Händen von Herrn Drüner und Frau Rupprecht.

Sie machten aber in den nächsten Tagen keinerlei Anstalten, mir ein Haus für mich zu zeigen, obwohl sie genau wussten was ich suchte und angeblich auch hatten. Ich brannte darauf. Statt dessen machten sie Stadtrundfahrten mit der ganzen Gruppe und schlugen nur die Zeit tot.

Ich hatte damals keine Ahnung, dass das einfach daran lag, dass die Genossen ihren Führungsoffizier verloren hatten. Dieser war ebenfalls am 28.2.1990 mit einer Maschine aus Köln angekommen, war aber bei der Landung in Atlanta gleich im Flugzeug verhaftet worden. Deshalb wussten sie nicht recht, was sie mit mir tun sollten und machten auch unvorsichtigerweise einige Fehler.

Anstatt eines Hauses zeigten sie mir den Flohmarkt, wo eine Berlinerin namens Gertraud McGrede einen Stand hatte und irgendwelchen Kram verkaufte. Er machte mich mit ihr bekannt und wir trafen uns auch später wieder...

Er stellte mir auch seinen hiesigen Assistenten vor, der einfach alles für mich managen könne. Es war ein Deutscher Namens Klaus Bäumner, mit dem ich später auch noch zu tun bekam. Er war es gewesen, der hier 1978 im Restaurant "Kork & Kessel" den deutsch-amerikanischen Club mit gründete und sich selber als Präsident einsetzte. Es war das gleiche Jahr, in dem ich in den Westen entlassen worden war - Zufall, oder die unglaubliche Weitsichtigkeit eines Hauptmann Wagner?

Ich wollte immer nur ein Haus kaufen. Ich wurde langsam so ungeduldig, dass ich mich von ihnen trennen wollte. (Hätte ich es nur getan, mein Leben wäre anders verlaufen.) So versprachen sie mir am nächsten Tag ihr eigenes Haus in Village Green zu zeigen und zu verkaufen.


Wir standen vor der Tür und klingelten, es machte aber keiner auf, obwohl sein Mieter offensichtlich drin war. Ich zwang ihn, seinen Mieter mit seinem Telefon in seinem Auto anzurufen. Sie sprachen miteinander, er kam aber trotzdem nicht raus. Keiner wollte, dass wir uns kennenlernten. Ich konnte das Haus nie von innen sehen. Es sei aber das billigte Haus, das sie anzubieten hätten und sollte nicht mehr als 80.000,-$ kosten, das hatten sie mir schon in Deutschland versprochen und so stand es auch in ihrem Prospekt.

Nachdem ich mich entschlossen hatte es zu kaufen, verlangte er allerdings 95.000,- $ dafür. Es stimmte eigentlich alles nicht, was er mir versprochen hatte. Die Reisekosten sollten anfangs mit dem Kaufpreis verrechnet werden, was er auch nicht tat. Das Haus wäre nur 3 Jahre alt, war aber schon etwa 10 Jahre alt etc. Aber wer erwartet schon Ehrlichkeit von einem Makler. Ich machte den Handel. Ich wollte es endlich hinter mich bringen. Ich glaubte damals nur, dass sie unehrliche Makler waren, aber nicht zum SSD gehörten, obwohl es einige Anzeichen dafür schon damals gab. So sagte er so nebenbei, "...wir müssen uns ja um unseren Einstein kümmern." Woher hatte er das? Von mir wusste er nur meinen Namen und meine Adresse.

Mir ging es einfach so wie den meisten Menschen. Man glaubt einfach nicht die zukünftigen Dinge, die der SSD fertig bringt, solange man nicht direkt darunter zu leiden hat. Man glaubt es immer erst, wenn es wirklich passiert, d.h., wenn es zu spät ist. Ich hatte auch nicht an die Mauer geglaubt, bis sie plötzlich da - und alles zu spät war.

Als stolzer Hausbesitzer flog ich wieder nach Deutschland zurück, aber nur um meine Sachen zu packen.

Der Neubeginn

In Amerika versuchte der Erfinder einen Neubeginn, weil er glaubte, dass er uns endlich los geworden sei. Für uns war es tatsächlich ein Neubeginn, weil wir ein frisches Kollektiv von ausgesuchten Agenten mit einem seit langem vorbereiteten Überwachungssystem in die Schlacht werfen konnten.

Alle Deutschen, die sich in Bradenton niederlassen, werden von freundlichen Deutschen in Empfang genommen, die ihnen bei allem - und völlig uneigennützig - helfen. Sie helfen beim Übersetzen und Ausfüllen von Formularen - und wir erfahren so alles über die Neuankömmlinge. Ein deutscher Verein war zu diesem Zweck extra von uns gegründet worden.

Auf die Ankunft des Erfinders, den sie "unseren Einstein" nannten, waren sie besonders vorbereitet worden. Aufgabe war, ihn vollständig abzuschirmen und ausschließlich von Genossen zu betreuen.

Die Losung hieß: Genossen seid bereit!

All meine Hoffnungen hingen nun an Amerika - dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Werden sie sich erfüllen? Ich hatte gemischte Gefühle, als ich hoch über den Wolken im Sommer 1990 in der Mitte des Atlantiks in einem modernen Düsenjet sass. Ich hatte alles hinter mir abgebrochen, aber da war gar nicht so viel abzubrechen gewesen. Da war kein Betrieb mehr, der irgendeine meiner Erfindungen übernehmen wollte und keine Arbeitsstelle für mich. Ich stand überall auf der Schwarzen Liste. Mein Haus in Schulzendorf und meine Familie bekam ich nicht zurück. Obwohl die Mauer gefallen war, hatte der SSD immer noch die Hand drauf und würde meine eigene Familie nur als Werkzeug gegen mich benutzen.

Die ehemalige "DDR" hatte ich verlassen, weil der SSD mich dort nicht leben ließ. Deutschland verließ ich nun aus dem gleichen Grunde. Ich war immer noch ein politischer Flüchtling. Der einzige Unterschied war, dass ich jetzt einen Container voll Habseligkeiten hatte, die jetzt unter mir irgendwo im Atlantik schwammen.

Mein Auto war schon im Hafen von Jacksonville angekommen, einer Hafenstadt an der Ostküste von Florida. Ich hatte den Kofferraum mit meinen Funktionsmodellen voll geladen und würde morgen schon zur ersten Firma unterwegs sein, um meine Erfindungen anzubieten. Ich würde meinen Mercedes abholen und schnurstracks zur ersten Pumpen-Firma fahren. Ich war vorbereitet und wusste, dass sich meine Sache verkaufen läßt, solange nur der SSD nicht dabei ist. Die Genossen hatte ich ja jetzt weit hinter mir gelassen - glaubte ich jedenfalls.

Die Zeit, bis meine Möbel eintrafen, wollte ich dazu nutzen, um einen interessierten Betrieb zu finden. So war jedenfalls mein Plan. Diese Rechnung hatte ich allerdings ohne den SSD gemacht. So kam alles etwas anders als geplant.

Zunächst landete das Flugzeug nicht wie erwartet in Jacksonville oder Atlanta, sondern in New York. Der Zollbeamte am Schalter hielt mich auf und fragte mich, was ich hier wolle. Ich will meine Erfindungen vermarkten, erklärte ich ihm in meinem gebrochenen englisch. (Ich hatte nie englisch in der Schule gehabt.) Mit der Wahrheit kommt man am weitesten, dachte ich und irrte mal wieder. Jetzt wurde ich für ihn erst recht verdächtig. Er rief andere Beamte zu Hilfe, die sich genauer mit mir befassen sollten. Ich wurde in einen separaten Raum geführt, wo ich nun für Stunden warten mußte, auf was wusste ich nicht genau. Ich durfte nicht mehr weg. War ich schon verhaftet? Ich verpasste meinen Anschlussflug nach Jacksonville, wohin mein Koffer nun schon ohne mich unterwegs war. Den werde ich nie wieder sehen, machte ich mir Sorgen.

Endlich kam jemand und gab mir meinen Pass zurück. Ohne mich viel zu fragen ließ er mich gehen. Sie haben die Zeit vielleicht nur gebraucht, um über mich Erkundigungen einzuholen.

Als ich in Jacksonville ankam, wurde es schon Mitternacht. Meinen Koffer konnte ich nicht finden. Ich übernachtete erst einmal in einem nahe gelegenen Hotel und wollte mich am Morgen auf die Suche nach meinem Koffer machen. Noch in derselben Nacht wurde mir mein Koffer ins Hotel gebracht. Wie haben sie das gemacht? Wie haben sie mich gefunden? Egal, erst mal ausschlafen. Jetzt bin ich in Amerika! Jetzt kann nichts mehr schief gehen.

Ich träumte schon am Strand zu liegen, und es mir gut gehen zu lassen. Strand, Sonne und nette Leute - so sah ich Amerika.



Mein Traumstrand am Golf von Mexiko


Der Kampf um meinen Mercedes

- Erste Runde -

Einem ganz bestimmten höheren Offizier des SSD, der hier nicht genannt werden möchte, ließ es keine Ruhe, warum der Mercedes des Erfinders in der Nacht vom 15. Oktober 1979 zur Ausführung des lange und gründlich vorbereiteten Attentats nicht gestartet werden konnte, obwohl seine Agenten kurz vorher selber damit gefahren waren. Er nahm die Sache persönlich. Er war in seinem Stolz verletzt. Er hasste den Erfinder und seinen Mercedes, die er beide nicht in den Griff bekommen konnte.

Die Verschiffung seines Mercedes nach Florida gab uns endlich die Möglichkeit, seinen Wagen näher untersuchen zu lassen. Die Genossen beim Zoll und bei der Autowerkstatt ICI in Orlando bekamen ihre Befehle. Es sollte untersucht werden was es war, dass niemand den Wagen des Erfinders fahren konnte wenn er es nicht wollte. Als Prüfstein ihrer erfolgreichen Arbeit sollten die Genossen dann den Wagen stehlen, sobald ihn der Erfinder hatte. Sollte ihnen das gelingen, wäre das der Beweis für den bestimmten Offizier, dass sie tatsächlich gefunden hatten, was sie suchen sollten. Während seine Möbel durch den Zoll gingen, wurde sein Mercedes einbehalten. Die Operation "Mercedes" lief an...

Am nächsten Tag, es war der 12. Juni 1990, begab ich mich zum Hafen und überreichte dem Beamten am Schalter meine Papiere, um meinen Wagen in Empfang zu nehmen. Er nahm sie und verschwand. Zurück kam ein anderer. Dieser bemühte sich sofort so rührselig um mich, als ob er auf mich gewartet hätte. ( Er hatte, ich wusste es nur noch nicht.)

Zunächst führte er mich in einen separaten Raum, wo wir alleine waren. Er bot mir Platz und Kaffee an, dann erklärte er mir süß-säuerlich, dass er mir meinen Wagen nicht geben könne, weil ich meinen Wagen hier nicht fahren dürfe. Er müsse erst auf amerikanische Verhältnisse umgestellt werden. Da ich - wie er schon von irgendwoher wusste - kein Tourist sei, weil ich ja hier residieren wolle. Außerdem kämen die sogenannten Touristen mit ihrem Mercedes nie zurück.

Da sass ich also in der Patsche und wusste im Moment nicht weiter. Mein Gegenüber hatte zu dem Problem, das er mir auftischt hatte - und jetzt kam die mehr süßliche Seite in ihm zum Vorschein - auch gleich die Lösung parat. Er wüsste jemanden, der alles nötige für mich machen würde und hatte ihn auch am Telefon. Ein Mister Ed Seguel der Firma ICI in Orlando erklärte mir in deutsch, dass er alles für mich zu meiner vollsten Zufriedenheit erledigen werde. Er sei sowieso der Einzige, der dazu berechtigt und auch ausgerüstet wäre. Es werde maximal 4 Wochen dauern und maximal 5.000.-Dollar kosten. Einen ersten Scheck über 2.500,- $ solle ich gleich Herrn Martin Taylor geben, der immer noch neben mir stehend schon die Hand aufhielt. Es waren offensichtlich gute Geschäftspartner. In den ersten Stunden in einem fremden Lande, mußte ich einfach glauben, was man mir erzählte. Ich gab ihm den gewünschten Scheck. Zu meiner Überraschung durfte ich trotzdem meinen Mercedes nicht einmal bis zur Werkstatt fahren. Ich durfte ihn überhaupt nicht mehr fahren. Mein Wagen war bereits in Arrest. Ich sah ihn in einem scharf bewachten Gefangenenlager für Autos stehen. Hinter einem hohen Zaun mit Wachposten stand er nun in Reih und Glied mit anderen ähnlichen Schicksals. Sie machten alle traurige Augen und konnten nichts weiter tun, als in dem scharfen, salzigen Seewind still vor sich hin zu rosten.

Das hatten wir beide nun davon, dass wir uns nicht vorher amerikanisieren ließen, was immer das auch bedeutete. Mein treuestes Stück hatte man also schon arrestiert - mich ließ man noch mal laufen.

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